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Nichts ist mehr wie es einmal war.

publiziert amMontag, 24. August 2009
Autorinnen: Hatice Demir, Hermine Moser

Der sich ständig vollziehende Wandel in der Gesellschaft generell ist auch im Zusammenleben in Freistadt erlebbar.

Auf allen Ebenen, in der Wirtschaft, in den Traditionen, in den Religionen, im Bildungs- und Sozialbereich, in der Politik zeigt sich dieser Wandel.

„Nichts ist mehr, wie es einmal war“ ist für viele Menschen eine manchmal auch frustrierende und bedrohlich erscheinende Erkenntnis geworden.

Um einige Beispiele zu nennen:

  • Ein Arbeitsleben ohne Bruch durch Arbeitslosigkeit ist in der heutigen Zeit die Ausnahme geworden.
  • Modernes Konsumverhalten und Kaufkraft-Abfluss in die Metropolen und über Internet stellt örtliche Wirtschaftstreibende vor große Herausforderungen.
  • Die neuen Medien prägen eine vor 20 Jahren noch nicht vorstellbare Kommunikationskultur.
  • Der Zugang zur Bildung für alle scheint offener möglich geworden zu sein. Trotzdem zeigt und entwickelt sich immer mehr ein Bruch zwischen den sogenannten Bildungsfernen und Bildungsnahen mit allen Konsequenzen für gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe.
  • Weltweite Wanderungsbewegungen hinterlassen auch in Freistadt ihre Spuren. Menschen mit Migrationshintergrund, ob aus der Europäischen Union oder aus sogenannten Drittstaaten kommend, sind unsere Mitmenschen geworden.

Die Aufgabe einer erfolgreichen Sozialpolitik in Österreich und in unserer Stadt ist es, Weichen zu stellen, die allen Menschen ein selbst bestimmtes Leben in der Mitte unserer Gesellschaft ermöglicht. Diese Selbstbestimmung soll unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Sprache und Religion sowie gesundheitlichem und sozialem Status möglich sein.

Dennoch ist immer wieder von Randgruppen oder gar Parallelgesellschaften die Rede. Das können alte Menschen sein, deren Sozialkontakte nur mehr aus den MitarbeiterInnen von sozialen Diensten bestehen. Oder Jugendliche, die, in den Bildungseinrichtungen durchgefallen, ihre Energien in destruktive Aktionen stecken. Oder Mädchen und Frauen, denen die Teilhabe am öffentlichen Leben und am Arbeitsmarkt aus verschiedensten Gründen versagt bleibt. Oder Personen, die sich auf bestimmte kulturelle, ethnische oder religiöse Wurzeln und Sichtweisen berufen, von denen sie annehmen, sie seien die „besseren“ im Vergleich mit denen der Anderen. Oder Mitglieder der so genannten „Leitkultur“, die, ohne viel von „den Anderen“ zu wissen, von diesen Anpassung und Assimilation verlangen. Wir wünschen uns, dass aus den einen und den anderen ein wir wird, und dass dieses wir zur Normalität wird. Unterschiedliche Menschen sollen sich als Menschen präsentieren dürfen und auch als solche wahrgenommen werden.

Damit dieses Wir zur Normalität werden kann, ist jede einzelne Person gefragt, nicht nur ihre Rechte wahrzunehmen, sondern auch ihren eigenen Beitrag für eine offene Gesellschaft zu erbringen. Jedes Verhalten Einzelner oder von Gruppen, das ein gutes Zusammenleben belastet oder die Rechte Einzelner verletzt, soll ohne Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten unmissverständlich aufgezeigt werden.

Die Gruppe GUT will eine soziale Politik mit gestalten, die sich der Vielschichtigkeit der heutigen Gesellschaft bewusst ist. Diese Diversität ist ein Potential, das hilft, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Im Besonderen ist uns wichtig:

  • Fremdenfeindlichkeit, wo auch immer und in welcher Form sie sich zeigt, anzuprangern und mutig dagegen aufzutreten. Dazu gehört für uns auch der in der Bundespolitik sichtbare Populismus in Sachen Zuwanderung, Bleiberecht und Minderheitenrechte.
  • Die Stärkung von Initiativen, die über bestehende Grenzen hinweg Begegnungsmöglichkeiten schaffen: der Sozialmarkt „Arkade“; die Initiative der Pfarre „Freistadt i(s)st international“; der interkulturelle „Frauentreff“; das „Freie Radio Freistadt“; der jährlich stattfindende Tag der offenen Tür und der Kirmes im muslimischen Gemeindezentrum; das geriatrische Tageszentrum; die schulische und berufliche Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Sie alle sind ein Beispiel für eine starke und verantwortliche Zivilgesellschaft.
  • Verletzung von Persönlichkeitsrechten aufzeigen und dagegen auftreten. Sie darf nicht durch religiöse, ethnische, kulturelle oder sonstige Gründe gerechtfertigt werden.
  • Ein Stil des Respekts und der Fairness in der politischen Zusammenarbeit auf Gemeindeebene. Gerade diese soll eine beispielgebende Qualität des Miteinander Lebens zeigen.

Unsere Gruppe, die aus Persönlichkeiten mit den unterschiedlichsten beruflichen und persönlichen Hintergründen und Qualifikationen besteht, verbindet die Bereitschaft, konstruktiv und offen an der Zukunft von Freistadt mitzuarbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass wir einen wesentlichen Beitrag für ein gutes Miteinander in unserer Stadt auf allen Ebenen leisten können.

Hermine Moser schreibt auch in ihrem Blog unter anderem über Interkulturalität: