Slow City Freistadt – Traum und Wirklichkeit
publiziert amSamstag, 06. Februar 2010„Viel freier Strassenraum in der Innenstadt, Autos sind zwar nicht verboten, wirken aber wie Fremdkörper unter gelassen dahinschlendernden Fußgängern und Kinderwagenschiebern, die betont langsam zur Seite gehen.“
Träume eines Freistädters, Realität in Orvieto in der Toskana und in 42 anderen Städten in Italien. Für Freistadt übersetzt heißt das: Es wird versucht, die mittelalterliche Siedlungsstruktur zu erhalten (da gibt es zum Glück den Denkmalschutz), jedoch werden gleichzeitig modernste wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung mit einbezogen. Auch für die Umsetzung und Reglementierung ist Know How und Technik des 21. Jahrhunderts erlaubt und erwünscht (da gibt es auch den Denkmalschutz …. dafür)
In Pisa etwa gibt es ein System mit elektronisch kontrollierten Zufahrten. Nur Anwohner bekommen eine Erlaubnis zur Durchfahrt. Wer ohne Erlaubnis von einer automatischen Kamera erfasst wird, muss 5 Euro Parkgebühren oder eine wesentlich höhere Stafe zahlen, egal ob er 1 Minute oder 24 Stunden bleibt.
Lebensqualität pur also für den Fußgängermenschen in der Stadt. Denn der alte junge Stadtraum von Freistadt ist eine perfekte Bühne für ein Fest der fußläufigen Sinne. Im Schneckentempo sich bewegen und dem guten Geschmack auf die Spur kommen, architektonisch und kulinarisch, mit viel Zeit eben.
Slow City bedeutet auch: Zeit zum Lernen. Zeit für die Schulung und Sensibilisierung der Sinne. Einmal zu Fuß um die Stadt herum, im Stadtgraben. Einen ganzen Tag regionale Köstlichkeiten geniessen in Verbindung mit einer Lokalwanderung durch die Stadt.
Wer noch mit seiner Vorstellungskraft kämpft: Freistadt war schon öfter slow: 2009 für 2 Tage beim Festival der Gaukler („Fantastika“), seit vielen Jahren wochenlang im August in der Salzgasse beim Sommerkino, ohne Parkplatzprobleme. Geschmacks- und Sinnesschulung werden angeboten in Zusammenarbeit mit dem Koch Georg Friedl („Mühlvierteln“), es gibt den besten regional gerösteten Kaffee des Mühlviertels, dazu die Angebote der regionalen Erzeuger von biologischen Nahrungsmitteln.
Slow City ermöglicht mehr Gastfreundschaft und qualitätsorientierte Gastronomie, mehr Bewusstseinsbildung mit regionaler Identität, mehr Augenmerk auf die charakteristische Stadtstruktur mit der Stadtgeschichte als Entwicklungspotenzial.
Und dieser Traum soll mit uns Wirklichkeit werden, ganz langsam.