Archiv für die Kategorie ‘Altstadt & Stadtentwicklung’

Umstrittene Entscheidung: Zweiter Hofer-Markt in Freistadt

publiziert am 12. April 2011
Autoren: Oskar Stöglehner und Klaus Elmecker

Ein wichtiger und umstrittener Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung vom 28.3.2011 war die Errichtung des zweiten Hofer-Marktes am Kreisverkehr Nord. Wir zitieren aus unseren Stellungnahmen:

Enttäuschte Visionen – verlorene Perspektiven

HOFER-Nord leistet sich eine ordentliche Planung, errichtet den ersten Mühlviertler Plus-Energie-Markt mit stadtbildverträglicher Gestaltung – wie andere das schon vorzeigen! (aus der GUT-Webseite “Ausblick auf 2011“)

Damit wird es nun nichts mehr werden nach dem Kniefall vor einem “Global Player”. Die Gemeinde lässt sich durch das Diktat des Marktes in die Knie zwingen. Geld – auch wenn es nur als Hoffnungsschimmer am nördlichen Horizont winkt – sticht Demokratie. Die Widmungsfrage war eine demokratische Mehrheitsentscheidung, die wir zur Kenntnis nehmen müssen, auch wenn es Hofer nach unserer Ansicht zu leicht gemacht wurde. Schließlich bringt der Markt im Norden fürs Einkaufen gewisse Vorteile, die wir nicht wegleugnen wollen. Die über den Stadtrat gekippte Verordnung über die Bebauung und Gestaltung des Marktes ist jedoch keine fachliche sondern eine rein politische Entscheidung mit weitreichenden Auswirkungen für das künftige Aussehen der nördlichen Stadtein- und -ausfahrt. Dafür waren die GUT-Mandatare nicht zu haben! (Oskar Stöglehner)

“Die Art und Weise wie dem Marktbetreiber hofiert wurde, in dem die Neuplanungsgebietsverordnung ohne substanzielle Zugeständnisse zurückgenommen wurde, ist ein demütiger Kniefall anstatt einer Position der Stärke. Es war eine politische Entscheidung der Schwäche mit beängstigendem Beispielcharakter und lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen.” (Klaus Elmcker)

Umstrittene Entscheidung: Zweiter Hofer-Markt kommt nach Freistadt. (nachrichten.at)

Kulturgut Salz­straße mit Zentrum Freistadt

publiziert am 03. Juni 2010
Autor: Klaus Elmecker

Denkmalschutz – Segen oder Fluch für Freistadt? Unesco-Weltkulturerbe als Bedrohung für Hallstatt? Hallstatt überlegt die Rückgabe des Weltkulturerbes in Verbindung mit Denkmalschutzauflagen. Brauchen wir das überhaupt? Ein neues regionales Konzept für die Salzstraße mit Freistadt im Zentrum als europäisches Kulturgut ist angedacht.

Wir haben uns in der Thematik „Kulturerbe Freistadt“ für die Einbindung von Fachleute entschieden. Einer dieser international anerkannten Experten ist DI. Dr. Hans Peter Jeschke aus Linz. GUT-Fraktionsobmann Klaus Elmecker hat im Februar Kontakt mit DI. Dr. Hans Peter Jeschke aufgenommen. Am 29. März besuchte Hans Peter Jeschke Freistadt zu einem ersten Treffen mit Mitgliedern von GUT und der Gruppe FLIP (Freistädter Leit Ideen Plattform).

Hans Peter Jeschke sieht die einzigartige, sehr umfangreiche Häuserchronik von Freistadt als wertvolle Grundlage für eine Bestandsaufnahme (Kulturgüter­kataster). Fritz Fellner, Leiter des Schlossmuseums, sichert sein Interesse und seine Hilfestellung für eine weitere Bearbeitung zu.

Aufschlussreicher Stadtrundgang

Freistadt ist von seiner historischen Substanz her gesehen ein Ensemble mit grosser baulicher  Authentizität. Es wird festgestellt, dass die gesamte Innenstadt bereits als „Denkmalgebiet“ nach der Haager Konvention geschützt ist.

Im Rahmen eines Vortrages von Dr. Jeschke wurden folgende Punkte herausgearbeitet:
Internationale Netzwerke bringen optimalen Schutz durch verbesserte Wahrnehmung. Ein Unterschutzstellung von Freistadt als Unesco-Weltkulturerbe ist derzeit nicht anzustreben, da die Erfolgschancen als sehr gering betrachtet werden müssen. Es gibt derzeit doppelt so viele Bewerbungen wie bereits existierende Objekte und es wird pro Jahr nur ein Projekt in Österreich positiv behandelt.
Die Unterschutzstellung könnte jedoch als „Kulturgut von europäischer Bedeutung“ erfolgen. Diese Variante erfolgt im Rahmen der EU (Europarat).

Perlenkette Salzstraße

Wenn das Schutzgebiet über Freistadt hinaus erweitert wird, kann die Stadt im Zusammenhang mit der historischen Salzstraße von Mauthausen bis Budweis gesehen werden. So entsteht das Bild einer Perlenkette von mehreren historischen Salzhandelsorten mit Freistadt als zentralem Schmuckstein.

Das Thema „Salzstraße“ wurde bisher noch nicht unter dem Aspekt „Historischer Kulturlandschaftsstreifen“ bearbeitet und promotet. Es handelt sich also um eine Herangehensweise mit einem grossen Alleinstellungsmerkmal. Ein Vorteil ergibt sich durch dieses historische Netz für viele Gemeinden in der Region, da sie keine Einzelprojekte entwickeln müssen.

Otto Ruhsam von der Arge FLIP hat vor 10 Jahren bereits einen Bereich der historischen Salzstraße von Mauthausen bis Budweis in Form eines Kunstprojektes begangen und protokolliert. Diese Arbeit soll ebenso wie die Häuserchronik von Freistadt als Grundlage für einen Kulturgüterkataster dienen.

Die nächsten Schritte der Arbeitsgruppe

Eine Arbeitsgruppe mit Otto Ruhsam, Fritz Fellner und Klaus Elmecker wird ein Positionspapier erarbeiten, das festhalten soll, welche Schritte als nächstes realisierbar sind. Dazu gehört die historische Bestandsaufnahme, auch in Verbindung und im Vergleich zu Tschechien. Eine erste Expertise für eine begründete Antragstellung wird erstellt. Die Präsentation  dieser Vorarbeit haben wir uns für den Winter 2010/2011 vorgenommen.

Interessierte sind zur Mitarbeit in der Arbeitsgruppe herzlich eingeladen.

Klaus Elmecker, Fraktionsobmann von GUT. Seine Arbeitsbereiche sind Kultur- und Denkmalpflege, Altstadt und Raumplanung.

Zur Person Univ.-Lektor HR Dipl. Ing. Dr. Hans Peter Jeschke

  • Offizieller österreichischer Experte für die Europarat­kampagnen „Ländlicher Raum“ und „Europa – unser gemeinsames Erbe“.
  • Leiter des Europarat-Pilotprojektes „Kulturgüterdokumentationen und Dorferneuerung“ in Oberösterreich.
  • Leiter der UNESCO-Forumarbeitsgruppe „Memorial Landscape“(in Gründung)
  • Leiter der  nationalen  Arbeitsgruppe „Kulturlandschaft, Städtebau und Raumordnung“.
  • Vortrags- und Experten­tätigkeit im In- und Ausland. Zuletzt  Vorlesungen und Lehrtätigkeit in Mailand und Frankfurt.

Slow City Freistadt – Traum und Wirklichkeit

publiziert am 06. Februar 2010
Autor: Klaus Elmecker

„Viel freier Strassenraum in der Innenstadt,  Autos sind zwar nicht verboten, wirken aber wie Fremdkörper unter gelassen dahinschlendernden Fußgängern und Kinderwagenschiebern, die betont langsam zur Seite gehen.“

Träume eines Freistädters, Realität in Orvieto in der Toskana und in 42 anderen Städten in Italien. Für Freistadt übersetzt heißt das: Es wird versucht, die mittelalterliche Siedlungsstruktur zu erhalten (da gibt es zum Glück den Denkmalschutz), jedoch werden gleichzeitig modernste wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung mit einbezogen. Auch für die Umsetzung und Reglementierung ist Know How und Technik des 21. Jahrhunderts erlaubt und erwünscht (da gibt es auch den Denkmalschutz …. dafür)

In Pisa etwa gibt es ein System mit elektronisch kontrollierten Zufahrten. Nur Anwohner bekommen eine Erlaubnis zur Durchfahrt. Wer ohne Erlaubnis von einer automatischen Kamera erfasst wird, muss 5 Euro Parkgebühren oder eine wesentlich höhere Stafe zahlen, egal ob er 1 Minute oder 24 Stunden bleibt.

Lebensqualität pur also für den Fußgängermenschen in der Stadt. Denn der alte junge Stadtraum von Freistadt ist eine perfekte Bühne für ein Fest der fußläufigen Sinne. Im Schneckentempo sich bewegen und dem guten Geschmack auf die Spur kommen, architektonisch und kulinarisch, mit viel Zeit eben.

Slow City bedeutet auch: Zeit zum Lernen. Zeit für die Schulung und Sensibilisierung der Sinne. Einmal zu Fuß um die Stadt herum, im Stadtgraben. Einen ganzen Tag regionale Köstlichkeiten geniessen in Verbindung mit einer Lokalwanderung durch die Stadt.

Wer noch mit seiner Vorstellungskraft kämpft: Freistadt war schon öfter slow: 2009 für 2 Tage beim Festival der Gaukler („Fantastika“),  seit vielen Jahren wochenlang im August in der Salzgasse beim Sommerkino, ohne Parkplatzprobleme. Geschmacks- und Sinnesschulung werden angeboten in Zusammenarbeit mit dem Koch Georg Friedl („Mühlvierteln“), es gibt den besten regional gerösteten Kaffee des Mühlviertels, dazu die Angebote der regionalen Erzeuger von biologischen Nahrungsmitteln.

Slow City ermöglicht mehr Gastfreundschaft und qualitätsorientierte Gastronomie, mehr Bewusstseinsbildung mit regionaler Identität, mehr Augenmerk auf die charakteristische Stadtstruktur mit der Stadtgeschichte als Entwicklungspotenzial.

Und dieser Traum soll mit uns Wirklichkeit werden, ganz langsam.