Archiv für die Kategorie ‘Altstadt & Stadtentwicklung’

Kulturgut Salz­straße mit Zentrum Freistadt

publiziert amDonnerstag, 03. Juni 2010
Autor: Klaus Elmecker

Denkmalschutz – Segen oder Fluch für Freistadt? Unesco-Weltkulturerbe als Bedrohung für Hallstatt? Hallstatt überlegt die Rückgabe des Weltkulturerbes in Verbindung mit Denkmalschutzauflagen. Brauchen wir das überhaupt? Ein neues regionales Konzept für die Salzstraße mit Freistadt im Zentrum als europäisches Kulturgut ist angedacht.

Wir haben uns in der Thematik „Kulturerbe Freistadt“ für die Einbindung von Fachleute entschieden. Einer dieser international anerkannten Experten ist DI. Dr. Hans Peter Jeschke aus Linz. GUT-Fraktionsobmann Klaus Elmecker hat im Februar Kontakt mit DI. Dr. Hans Peter Jeschke aufgenommen. Am 29. März besuchte Hans Peter Jeschke Freistadt zu einem ersten Treffen mit Mitgliedern von GUT und der Gruppe FLIP (Freistädter Leit Ideen Plattform).

Hans Peter Jeschke sieht die einzigartige, sehr umfangreiche Häuserchronik von Freistadt als wertvolle Grundlage für eine Bestandsaufnahme (Kulturgüter­kataster). Fritz Fellner, Leiter des Schlossmuseums, sichert sein Interesse und seine Hilfestellung für eine weitere Bearbeitung zu.

Aufschlussreicher Stadtrundgang

Freistadt ist von seiner historischen Substanz her gesehen ein Ensemble mit grosser baulicher  Authentizität. Es wird festgestellt, dass die gesamte Innenstadt bereits als „Denkmalgebiet“ nach der Haager Konvention geschützt ist.

Im Rahmen eines Vortrages von Dr. Jeschke wurden folgende Punkte herausgearbeitet:
Internationale Netzwerke bringen optimalen Schutz durch verbesserte Wahrnehmung. Ein Unterschutzstellung von Freistadt als Unesco-Weltkulturerbe ist derzeit nicht anzustreben, da die Erfolgschancen als sehr gering betrachtet werden müssen. Es gibt derzeit doppelt so viele Bewerbungen wie bereits existierende Objekte und es wird pro Jahr nur ein Projekt in Österreich positiv behandelt.
Die Unterschutzstellung könnte jedoch als „Kulturgut von europäischer Bedeutung“ erfolgen. Diese Variante erfolgt im Rahmen der EU (Europarat).

Perlenkette Salzstraße

Wenn das Schutzgebiet über Freistadt hinaus erweitert wird, kann die Stadt im Zusammenhang mit der historischen Salzstraße von Mauthausen bis Budweis gesehen werden. So entsteht das Bild einer Perlenkette von mehreren historischen Salzhandelsorten mit Freistadt als zentralem Schmuckstein.

Das Thema „Salzstraße“ wurde bisher noch nicht unter dem Aspekt „Historischer Kulturlandschaftsstreifen“ bearbeitet und promotet. Es handelt sich also um eine Herangehensweise mit einem grossen Alleinstellungsmerkmal. Ein Vorteil ergibt sich durch dieses historische Netz für viele Gemeinden in der Region, da sie keine Einzelprojekte entwickeln müssen.

Otto Ruhsam von der Arge FLIP hat vor 10 Jahren bereits einen Bereich der historischen Salzstraße von Mauthausen bis Budweis in Form eines Kunstprojektes begangen und protokolliert. Diese Arbeit soll ebenso wie die Häuserchronik von Freistadt als Grundlage für einen Kulturgüterkataster dienen.

Die nächsten Schritte der Arbeitsgruppe

Eine Arbeitsgruppe mit Otto Ruhsam, Fritz Fellner und Klaus Elmecker wird ein Positionspapier erarbeiten, das festhalten soll, welche Schritte als nächstes realisierbar sind. Dazu gehört die historische Bestandsaufnahme, auch in Verbindung und im Vergleich zu Tschechien. Eine erste Expertise für eine begründete Antragstellung wird erstellt. Die Präsentation  dieser Vorarbeit haben wir uns für den Winter 2010/2011 vorgenommen.

Interessierte sind zur Mitarbeit in der Arbeitsgruppe herzlich eingeladen.

Klaus Elmecker, Fraktionsobmann von GUT. Seine Arbeitsbereiche sind Kultur- und Denkmalpflege, Altstadt und Raumplanung.

Zur Person Univ.-Lektor HR Dipl. Ing. Dr. Hans Peter Jeschke

  • Offizieller österreichischer Experte für die Europarat­kampagnen „Ländlicher Raum“ und „Europa – unser gemeinsames Erbe“.
  • Leiter des Europarat-Pilotprojektes „Kulturgüterdokumentationen und Dorferneuerung“ in Oberösterreich.
  • Leiter der UNESCO-Forumarbeitsgruppe „Memorial Landscape“(in Gründung)
  • Leiter der  nationalen  Arbeitsgruppe „Kulturlandschaft, Städtebau und Raumordnung“.
  • Vortrags- und Experten­tätigkeit im In- und Ausland. Zuletzt  Vorlesungen und Lehrtätigkeit in Mailand und Frankfurt.

Slow City Freistadt – Traum und Wirklichkeit

publiziert amSamstag, 06. Februar 2010
Autor: Klaus Elmecker

„Viel freier Strassenraum in der Innenstadt,  Autos sind zwar nicht verboten, wirken aber wie Fremdkörper unter gelassen dahinschlendernden Fußgängern und Kinderwagenschiebern, die betont langsam zur Seite gehen.“

Träume eines Freistädters, Realität in Orvieto in der Toskana und in 42 anderen Städten in Italien. Für Freistadt übersetzt heißt das: Es wird versucht, die mittelalterliche Siedlungsstruktur zu erhalten (da gibt es zum Glück den Denkmalschutz), jedoch werden gleichzeitig modernste wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung mit einbezogen. Auch für die Umsetzung und Reglementierung ist Know How und Technik des 21. Jahrhunderts erlaubt und erwünscht (da gibt es auch den Denkmalschutz …. dafür)

In Pisa etwa gibt es ein System mit elektronisch kontrollierten Zufahrten. Nur Anwohner bekommen eine Erlaubnis zur Durchfahrt. Wer ohne Erlaubnis von einer automatischen Kamera erfasst wird, muss 5 Euro Parkgebühren oder eine wesentlich höhere Stafe zahlen, egal ob er 1 Minute oder 24 Stunden bleibt.

Lebensqualität pur also für den Fußgängermenschen in der Stadt. Denn der alte junge Stadtraum von Freistadt ist eine perfekte Bühne für ein Fest der fußläufigen Sinne. Im Schneckentempo sich bewegen und dem guten Geschmack auf die Spur kommen, architektonisch und kulinarisch, mit viel Zeit eben.

Slow City bedeutet auch: Zeit zum Lernen. Zeit für die Schulung und Sensibilisierung der Sinne. Einmal zu Fuß um die Stadt herum, im Stadtgraben. Einen ganzen Tag regionale Köstlichkeiten geniessen in Verbindung mit einer Lokalwanderung durch die Stadt.

Wer noch mit seiner Vorstellungskraft kämpft: Freistadt war schon öfter slow: 2009 für 2 Tage beim Festival der Gaukler („Fantastika“),  seit vielen Jahren wochenlang im August in der Salzgasse beim Sommerkino, ohne Parkplatzprobleme. Geschmacks- und Sinnesschulung werden angeboten in Zusammenarbeit mit dem Koch Georg Friedl („Mühlvierteln“), es gibt den besten regional gerösteten Kaffee des Mühlviertels, dazu die Angebote der regionalen Erzeuger von biologischen Nahrungsmitteln.

Slow City ermöglicht mehr Gastfreundschaft und qualitätsorientierte Gastronomie, mehr Bewusstseinsbildung mit regionaler Identität, mehr Augenmerk auf die charakteristische Stadtstruktur mit der Stadtgeschichte als Entwicklungspotenzial.

Und dieser Traum soll mit uns Wirklichkeit werden, ganz langsam.

Weltkulturerbe Freistadt?

publiziert amSonntag, 06. September 2009
Autor: Klaus Elmecker

Was haben die Städte Krumau (Schauplatz der OÖ Landesaustellung 2013) und Telc (Schauplatz der NÖ Landesaustellung 2009) der Altstadt von Freistadt (Schauplatz der OÖ Landesaustellung 2013) voraus?

Sie sind Teil des UNESCO -Weltkulturerbes. Sie wurden in die Welterbeliste aufgenommen weil sie herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen haben.

Bei der Entscheidung über die Aufnahme werden die übergreifenden Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit) angewendet in Verbindung mit einem oder mehreren von insgesamt 10 UNESCO Kriterien.

Die Altstadt von Freistadt ist einzigartig mit seiner Befestigungsanlage, vor allem in Form des fast zur Gänze erhaltenen Stadtgrabens. Damit ist auch die Anforderung der Unversehrtheit weitestgehend erfüllt. Die historische Echtheit ist unbestritten.

Die einzigartige Innenstadt von Freistadt

Die einzigartige Innenstadt von Freistadt von oben

Punkt 3 der UNESCO-Kriterien fordert: Die Güter stellen ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur dar.

Punkt 4 der UNESCO-Kriterien fordert: Die Güter stellen ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften dar, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit versinnbildlichen.

Das Mittelalter von Freistadt unter den Schutz der UNESCO stellen? Welche Vorteile könnte diese Stadt daraus ziehen? („Mit dem Beitritt zur Konvention verpfl ichten sich die Vertragsstaaten, die Schutzund Erhaltungsmaßnahmen der Welterbestätten auf ihrem Hoheitsgebiet eigenständig zu finanzieren.“) Gibt es Nachteile davon?

GUT wünscht eine sachliche, seriöse Diskussion zu diesem Thema. Sie könnte mit der Frage beginnen: Was hat Freistadt, was Krumau und Telc nicht haben?